hendrix-changes

06.10.2003 café podium / aalen

programm:

1. Who Knows (Terror Error)
2. Foxy Lady / Brainbug
3. Castles Made Of Sand / Klangwellenreiter
4. Crosstown Traffic
5. Little Wing / "Ich liebe dich" (Text von Urs M. Fiechtner)
6. The Wind Cryes Mary
7. Changes / More Changes
8. Manic Depression / More Depression
9. Depression Remix
9. Burning Of The Midnight Lamp
10. Electric Haze / Purple Haze
11. Spanish Castle Magic / Spanich Castle Music
12. Hey Joe / Schatten der Nacht
-zugabe-

fotos (1-3): s. schweikert

Presse:

© Aalener Nachrichten vom 7.10

Offene Bühne

Hendrix rappt das Podium

AALEN - "Hendrix Changes" nennt sich ein musikalisches Projekt von sechs Musikern aus Heidenheim und Aalen, das am Montag auf der offenen Bühne im Café Podium zu erleben war. Ein interessanter Abend.

Von unserem Redakteur Ansgar König

"Hendrix ist tot, Jim Morrison ist tot - und mir ist auch schon ganz übel." Dieser Spruch prangte in den späten 70ern auf so mancher Schulbank und so mancher Toilettenwand der Szenekneipen. Nun, mir geht's mittlerweile prächtig, und - siehe da - auch Gitarrengott Jimi Hendrix scheint wieder von den Toten auferstanden.
"Hendrix Changes", da haben sich sechs Musiker gesucht und gefunden. "Changes", Veränderungen, so heißt ein Titel von Jimi Hendrix. Das Sextett hat dem wilden Helden der Woodstock-Ära neues Leben eingehaucht, hat ihn kräftig durchgeknetet. Fast nicht wieder zu erkennen, der alte Knabe. "Wir sind keine Hendrix-Coverband", betonen Bassist und Bandleader Walter Geyer und Keyboarder Stefan Schweikert im Gespräch nach dem Konzert. Aber das hatten die Zuschauer im Podium schon selbst bemerkt. Denn, der 1970 verstorbene James Marshall Hendrix hat - zumindest auf der Gitarre - vieles gemacht, doch gerappt hat er nie.
"Hendrix meets HipHop", so lautet der Untertitel des Projekts. Gut, es war ein Aufeinandertreffen. Wobei die unterschiedlichen Lebensgefühle, die hinter Hendrix' Musik und modernem Rap stehen, allerdings nie eine vollständige Verbindung eingingen. Es blieb eher bei der Gegenüberstellung von alter und neuer Musik, von Gegenwart und Vergangenheit der Rockmusik, "Crosstown traffic". Aber so manches mal verschmolzen sie doch. So etwa bei "Hey Joe", als im Mittelteil Rockstimme Ralf Meiser aus Aalen und HipHop-Stimme Bastian Charisius gemeinsam in Deutsch die Schatten der Nacht berappen. Denn ein solcher muss Joe wohl geritten haben, als er seine Frau umgelegt hat. Oder bei "Purple Haze", als Keyboarder Schweikert, Gitarrist Zabba Zaepernik, Schlagzeuger Eddy Cichosz plus Bastian Charisius an der Drummachine Hendrix' guten alten Gitarrenriff lautstark ins grelle Licht der Gegenwart zerren: "'Scuse me while I kiss the sky". So könnte Hendrix heute klingen.

© Schwäbische Post 8.10.2003

OFFENE BÜHNE / Das Projekt "Hendrix Changes" im "Podium" in Aalen

In Klanggewittern ein Antikriegsgedicht

Die Affinität zur Rockmusik der späten Sechziger, zu Zappa, Bowie und natürlich zu Hendrix hat sie zusammengeführt. Daraus ist das Projekt "Hendrix Changes" entstanden, das sich jetzt auf der "Offenen Bühne" im "Podium"in Aalen vorgestellt hat.


Und "Changes" sind Programm der sechs Musiker: Die Musik des Gitarrenmeisters, aber auch das Lebensgefühl der psychedelischen Rock-Bohème im Wandel der Zeiten. "Hendrix Changes", das sind Günter "Zabba" Zaepernick (Gitarre), Stefan Schweikert (Keyboard), Eddy Cichosz (Schlagzeug), Walter Geyer (Bass), Ralf Meiser und Sebastian Charisius, Gesang, beziehungsweise Rap-Gesang.
Rap und Hendrix? Ja, denn das Hendrix-Projekt covert nicht die Nummern des Meisters ("Crosstown-Traffic" etwa, "Purple Haze" oder "Foxy Lady" ), eins zu eins, sondern vergleicht, zieht Parallelen, baut Gegensätze ein oder blendet plötzlich in den laufenden Song "Voodoo Child" ein. Oder eben Rap. Nach der ziemlich rockigen Nummer "Changes" beispielsweise rezitiert Schlagzeuger Eddy synchron zum Song "Little Wing" das Gedicht von Urs Fichtner "Inmitten von allem". Es geht um die Kriege, um die Grausamkeiten in der Welt. Und dass er das Leben trotzdem liebt.
Die Verbindung der aktuellen Weltsituation mit dem der Abscheu vieler junger Amerikaner während des Vietnam-Krieges liegen da nahe. Auf dem Woodstock-Festival entlockte der Kriegs-Gegner Hendrix seiner elektrischen Gitarre, auf der er die amerikanische Nationalhymne spielt, Bomben- und Granatsplittergeräusche. Etwas später rief er bei einer Pressekonferenz, langhaarig, bunt gewandet und mit Stirnband ins Mikro: "Was wollt ihr von uns? Wollt ihr UNS nach Vietnam schicken?" Wenn es die Räumlichkeit zulässt, verbindet das Projekt seine Interpretationen mit einer visuellen, psychedelisch anmutenden Show. Auch da hat sich die Zeit gewandelt: Media-Player statt Lavalampe. Im "Podium" liefen aus technischen Gründen Ausschnitte von Hendrix-Konzerten über den Bildschirm.
(lem)